Montag, Oktober 17, 2005

ErBARMEN!

Die Mitgliederzeitschriften von Automobilclubs, Krankenkassen oder Sparkassen sind ja von jeher nicht gerade bekannt dafür, die Heimstatt von hochkarätigem Journalismus und feinentwickeltem Sprachgefühl zu sein, weswegen man derartige Presseerzeugnisse auch am besten nur mit mentalen Gummihandschuhen anfassen sollte. Leider ist man manchmal unvorsichtig.

Soeben brachte die Post das „Gesundheitsmagazin“ der "Barmer". Zwar nicht für mich, sondern für eine meiner Mitbewohnerinnen, aber aus Motiven, über die ich vielleicht einmal länger nachdenken sollte, gelang es mir heute nicht, das Blatt unverzüglich mit abgewandtem Blick der Empfängerin weiterzureichen. Stattdessen wurde mein Blick sofort von der Titelseite magisch angezogen.

Dort erfuhr ich, dass eine gewisse Magdalena Brzeska – wer immer das sein mag – der Barmer zum "Superbrand" gratuliert.

Jou, Superbrand kenne ich. Den haben wir ja alle ab und zu, besonders nach harter körperlicher Arbeit, im Sommer, wenn’s draußen heiß ist. Nur, wieso bitteschön gratuliert mir nie jemand bei solchen Gelegenheiten? Ich meine, es muss ja nicht gerade diese Magdalena sein... die wäre schon rein äußerlich nicht mein Typ. Aber es geht schließlich ums Prinzip.

Nachdem ich nun einmal angefangen hatte, mich mit dem Blättchen zu beschäftigen, habe ich natürlich noch ein bisschen weiter darin herumgelesen. Um es kurz zu machen: Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Ich will hier nicht zu sehr in die Details gehen, schließlich steht es jedem Interessierten frei, selbst Mitglied der Barmer zu werden oder in Beziehung zu einem Mitglied zu treten. Nicht vorenthalten will ich dem lieben Leser allerdings das Sahnebonbon, nämlich die Artikelüberschrift

"Folter darf nicht Alltag sein."

Klar, so sehe ich das auch. Folter ist etwas, worauf man sich ordentlich vorbereiten sollte, um dann zu besonderen Gelegenheiten seinen Spaß zu haben. Wenn man jeden Tag foltert, geht ja auch leicht die Sensibilität für den Einzelfall verloren. Auch hier kommt es also, wie so oft, auf das richtige Maß an.

Warum gehen Leute, die in ihrem Fach so richtig schlecht sind, nicht einfach hin und machen was anderes, was sie auch nicht können, wo sie aber nicht im Lichte der Öffentlichkeit agieren? Stattdessen landet der typische Redakteur ohne Sprachgefühl offenbar zwangsläufig bei einem dieser Blättchen, mit denen einen die Bäckerinnung, der ICE oder eben die Krankenkasse beglückt und darf dort seinen Beitrag dazu leisten, dass einem das Frühstück aus dem Gesicht fällt.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Sehr schöner Beitrag!
Bis hierhin habe ich mich nun schmunzelnd durch die Kaktus-Blogs gelesen und ErBARMEN hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich hab mich wirklich schlapp gelacht ;-)

Viele Grüße
Kallikrates

9:07 vorm.  

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